Kalte Nächte in der neuen Hütte.

Es gab viel zu tun, aber es lohnte sich.

Rückblick auf 10 Jahre Uruguay.

Hallo aus Uruguay,

Die neue Hütte in meinem neuen Paradies von der ich im letzten Artikel berichtete, war ein ganz neue Erfahrung für mich.

Sie war schließlich mehr als 3 Jahre unbewohnt, niemand hatte etwas daran gemacht. Dennoch enthielt sie das was ich brauchte. Einen Warmwasserboiler und einen mit Gas betriebenen Küchenherd, sowie einen Schrank und eine Spüle. Das war doch schon mal etwas für den Anfang.

Ok ich war angekommen. Meine paar Mitbringsel waren schnell verstaut, von meinem „Taxifahrer“ Walter, bekam ich einen Plastiktisch und zwei Stühle. So wie, was ich dringend braucht, einen Besen, denn die Natur war dabei gewesen sich die Hütte einzuverleiben. In der Mitte, des in Terracotta Rot gestrichenen Betonfußbodens sammelte sich sehr viel Dreck von Vögeln und vor allem Ameisen und sonstigem Getier. das musste raus. Dann wurde es auch schon Abend und es war noch kein Strom vorhanden. Kerzen usw. hatte ich auch noch nicht, so war ein frühes ins Bett gehen angesagt. Ich platzierte meine Matratze in einer Ecke und bettete darauf meinen aus Deutschland mitgebrachten Schlafsack, den ich zu diesem Zeitpunk nun das erste Mal nutzte. Es ist ein Trekkingschlafsack der bis minus 8 Grad warm hält und ja ich hab ihn heute noch.

Ich schlief also ohne Heizung, mitten im Winter, es war Ende Juni, auf einer Matratze und auf nacktem Boden in meiner Hütte ohne Strom und fließendem Wasser.

Und wisst ihr was? Ich habe sau gut geschlafen und mir war nicht einen Moment kalt. Ich war die Hexe los, ein freier Mensch der tun und lassen konnte was er wollte in diesem Moment. Alles Andere wird sich zeigen dachte ich mir. Und ich habe Recht behalten.

Küche und Bad

Kleine Küche ohne die Anrichte und kleines Bad, das heute immer noch fast so aussieht.

In der Nacht fing es dann an fürchterlich zu regnen. Es prasselte auf das Dach, eine völlig neue Geräuschkulisse. Dennoch irgendwie war es romantisch.

Es wurde Morgen, der Tag erwachte und auch ich öffnete meine Augen. Was ich sah, ließ mich erst einmal erschrecken, doch dann dachte ich mir, Glück gehabt.

Durch die Hütte floss ein kleiner Rio. Es regnete also an der Tür hinein und in der rechten Ecke der Hütte lief die Brühe wieder raus. Haarscharf an meiner Matratze vorbei. Das war wirklich Glück. Die ist trocken geblieben.

Nun war es an mir zu schauen warum das Wasser in die Hütte kommt. Denn das war das Erste was ich abstellen musste. Ich schaute mir also die Tür an und mir fiel gleich auf was da falsch konstruiert war. Türen in Uruguay habe meist eine Mosquito Tür vornedran und an dieser war unten ein Gummi befestigt der vor Zugluft und auch Schlangen schützen soll. Wenn es dann aber regnete und der Regen durch die Mosquito Tür an die Eingangstür prasselte und an dieser runter lief konnte das Wasser durch diesen Gummi natürlich nicht nach draußen laufen. Es  wurde somit in die Hütte geleitet. Da hat Jemand falsch gedacht.

Nun gut, Walter hat mir Werkzeug geliehen um das beheben zu können, ebenso bekam ich eine Flex von ihm um in die betonierte Eingangsstufe einen Wasserablauf zu fräsen.

In der Zeit hatte Walter im Auftrag der Vermieterin die Aufgabe den Garten welcher natürlich nicht mehr so schön wie auf den Fotos aussah und schrecklich verwildert war aufzuräumen. das war dann fortan meine Aufgabe.

Strom wurde angemeldet und am nächsten Tag angeklemmt. Es wurde Licht in meiner Hütte.

Ja tatsächlich waren da auch noch ein paar Lampen vorhanden die auch brannten. Wasser hatte ich in 6 Liter Kanistern gekauft. Zu der Hütte gehört auch ein Brunnen der mich mit frischem Wasser beliefern sollte. Leider war da die Pumpe defekt. Da musste mein Vermieter eingreifen den das gehörte schließlich zu seinem Inventar. Walter, was hätte ich ohne ihn gemacht, wusste die Lösung und kannte jemand der sich mit dem Ausbau einer Tiefenpumpe auskannte. Wir holten also zusammen die Pumpe nach oben. 32 Meter tief ist das Loch. Walter nahm die Pumpe am nächsten Tag und fuhr mit ihr nach Montevideo und kam am Abend mit eine reparierten Pumpe wieder zurück. Diese bauten wir dann am nächsten Tag ein und sieh da, ich hatte frisches und klares Wasser zur Verfügung. Ich probierte es und es schmeckte nicht einmal schlecht. Das geilste aber war, ich konnte die Toilette benutzen und Duschen. Ich hatte warmes Wasser zur Verfügung. Unbeschreiblich diese Gefühl, selbst wenn die Hütte arschkalt war.

Am Abend musste ich dann nicht mehr so früh schlafen gehen. Ich hatte ja nun Licht.

Abends ging ich dann nach draußen. Weit und breit fast kein Licht, eine einzelne Funzel zur Orientierung brannte in einiger Entfernung. Mensch was war das so schön. Ein Sternenhimmel wie man ihn wohl sonst kaum noch zu sehen bekommt. Eine klare und frische aber kühle Luft und trotz Winter ein Duft, einfach unbeschreiblich. Die Sterne kannte ich natürlich nicht. Die welche man in Deutschland sieht gibt es hier nicht. Statt des Polarsterns haben wir hier das Kreuz des Südens. Aber das wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

So vergingen die ersten paar Nächte und Tage wie im Flug. Mit jedem Tag mehr normalisierte sich mein Leben. Finanziell war ich auf einem Tiefstpunkt abgekommen, das war aber nicht wichtig. Ich wusste ja, dass mir meine Freund weiter hilft und außerdem bin ich der festen Überzeugen, das Geld immer wieder kommt. Bisher war es immer so in meinem Leben. Man muss nur warten können.

Dann hatte ich auch noch etwas zu verkaufen. Ich war nämlich mit zwei Handys nach Uruguay gekommen. Das gute alte N95 und dann noch ein brandneues Nokia N97 auf das Walter furchtbar scharf war. Er wollte es seiner Frau schenken. Er bekam es auch und ich bekam dafür Dinge welche ich dringend brauchte.

N97

Das geile bei dem N97 war die eingebaute Tastatur.

Doch davon dann im nächsten Teil meines Rückblicks.

Danke fürs lesen.

Liebe Grüße aus Uruguay

Peter

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