Mein Erwachen auf der Intensiv.

Halluzinationen und Dämonen.

Intensiv

ARCHIV – 13.03.2020, Sachsen, Dresden: Ein Intensivbett auf einer Intensivstation der Uniklinik Dresden. Links neben dem Bett steht eine Herz-Lungen-Maschine, oben befinden sich die Überwachungsmonitore für die Vitalfunktionen. Rechts neben dem Bett steht ein Beatmungsgerät und Infusionstechnik. (zu dpa «Sachsen will Corona-Patienten aus Italien in Kliniken aufnehmen») Foto: Ronald Bonss/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit

Hallo, aus Uruguay,

nachdem man mich vom der Notaufnahme auf eine Intensivstation verlegt hatte, lag ich dort 4 Tage in einem künstliche Koma. Es war wohl die einzige Möglichkeit meinem Körper die nötige Zeit zu geben, um sich zu regenerieren. Die obere Halshälfte war angeschwollen und machte mir ein Atmen fast unmöglich. Somit wurde ich erst einmal intubiert, was dann auf der Intensiv durch einen Luftröhrenschnitt geändert wurde. Dort schloss man mich an eine Beatmungsmaschine an welche für eine ausreichende Sauerstoffversorgung sorgte. Des Weiteren bekam ich einen Katheter in meinen Pipimann, Schläuche durch die Nase welche mich mit Nahrung und Wasser versorgten.

Natürlich merkte ich von all dem nichts, ich weiß es nur, weil ich so aufgewacht bin und man mir alles erklärte. Auch musste man testen, inwieweit ich in der Lage war klare Gedanken zu erfassen.

Meine Erwachen war Dämonenhaft.

Von der Decke grinste mich ein Rot Schwarzes Gesicht, an welches an sich fürchterlich ist und ja es machte mir Angst. Ich musste irgendwie es schaffen davon wegzukommen. Ich versuchte nicht mehr an die Decke zu blicken. Doch das geht nicht immer. In einem anderen Moment verwandelte sich die Decke in ein lebendiges Bild einer Stadt oder eines Ortes.
Die Schwestern und Pfleger kamen mit 4 Augen und zwei Mundschützern oder sie hatten doppelte Ohren usw. Alles Sinnestäuschungen, heute weiß ich das aber in diesem Moment, vollgepumpt mit Medikamenten und noch nicht Herr über die eigenen Sinne. Es ist kaum zu beschreiben.

4 Tage brauchte ich dann noch um diese Intensiv wieder zu verlassen.

Mein Zustand verbesserte sich stündlich.

Zuerst wurde ich von der Beatmungsmaschine abgeklemmt und man setze mir in meinen Luftröhrenschnitt ein Gerät ein, durch das ich atmen und auch wieder sprechen konnte. Die Nahrungsschläuche wurde entfernt und ich bekam die erste feste Nahrung, es war ein Wackelpudding. Auch durfte ich das erste Mal wieder Wasser trinken. Dann wurde ich gewaschen. Ich wusste meine Partnerin kommt, Sie war jeden Tag da auch an den Tagen, an denen ich im Koma lag, dafür bin ich ihr unendlich dankbar. Also bat ich darum das man mich rasierte, was auch geschehen ist. Somit sah ich dann wieder etwas menschlicher aus.

Nachts bekam ich Mittel zum Schlafen, auf einer Intensiv ist es niemals richtig dunkel was mir etwas zu schaffen machte. Auch ist es dort niemals wirklich ruhig weil immer Betrieb herrschte. Sei es durch Neuzugänge oder eben durch die Versorgung anderer Patienten. Ich war ja dort nicht alleine, auch wenn ich separat gelegen habe, wofür ich im Nachhinein sehr dankbar bin.

Am 3. Tag nach dem Aufwachen wurde mir der Katheter entfernt und ich konnte wieder lernen Pipi zu machen. Alle menschliche Reaktionen haben sich schnell wieder eingestellt. Für manchen sogar zu schnell denn sie konnten es fast nicht glauben. Blutdruck normal, kein Fieber usw. Auch mein Kopf arbeitete weitgehend normal. Nun ja was ist schon normal?

Am 4. Tag es war ein Sonntag beschloß man mich, der ich schon lautstark darum bat, nach Hause zu kommen, auf die normale Station zu verlegen. Dort hatte ich mehr Ruhe, durfte mein Handy und mein Kindl nutzen und mich so auf meine neues geschenktes Leben vorbereiten.

Die erste Dusche mit meiner Partnerin, noch mehr im Sitzen statt in Stehen, es war herrlich. Gutes Essen, auch wenn es ohne Geschmack war, Kaffee zum Frühstück und eine Toilette welche ich selbst besuchen konnte. Man glaubt nicht wie wichtig solche Kleinigkeiten sind.

Weitere 4 Tage, verblieb ich auf dieser Station wo man mir dann auch dieses Gerät aus der Luftröhre nahm und den Luftröhrenschnitt nun so verklebte, dass er wieder zusammen wachsen konnte. Zum Sprechen musste ich nur das Loch zu halten. Es war nicht immer einfach. Manchmal schnaubte ich wie ein Pferd, zumindest hat es sich für mich so angehört.

Von Tag zu Tag ging es besser, am 2. Tag ging ich mit meiner Partnerin das erste Mal in den kleinen schön angelegten Park und tankte etwas wohltuende Sonne. Es war übrigens das zweite Mal wo ich einen Mund und Nasenschutz tragen musste, den ich draußen natürlich sofort wieder ablegte.

Am dritten Tag stellte ich erneut die Frage und Bitte man möge mich doch nach Hause entlassen. Der Chefarzt kam am 4. Tag und meinte ich können jederzeit gehen. Worauf ich dann meine Partnerin anschrieb und ihr diese mitteilte damit sie passende Kleidung für mich mitbringen konnte. Doch leider machte der Arzt keine Notiz auf der Station, das ich gehen durfte. Er wollte nach 14 Uhr nochmals kommen, wenn dann meine Partnerin da ist. Sie war da nur er kam nicht. Die Krankenschwester kam zum Fieber und Blutdruck messen, ich sagte ihr ich will nach Hause, sie ging, telefonierte und kam wieder und sagte: “Wie ihnen der Doktor heute Morgen schon sagte, ich könne jederzeit gehen”. Dies im Beisein meiner Partnerin welche auf die Bestätigung meiner Aussage wartete. Somit konnte ich meinen Freund anrufen, der sich bereit erklärt hatte, uns abzuholen und nach Hause zu bringen, was dann auch innerhalb der nächste Stunde geschah.

Die Ankunft im eigenen zu Hause war fast unbeschreiblich, alle unsere Hunde sie freuten sich so gewaltig, ich hatte Tränen in den Augen, ja ich habe geweint, so wie ich auch heute noch des Öfteren sehr nah am Wasser gebaut habe. Ich empfinde alles sehr viel intensiver, mein Denken hat sich sehr verändert, ich weiß ich habe eine große Dummheit begangen und diese wirklich nur mit sehr viel Glück überhaupt überlebt. Es ist ein neues Leben, welches man mir geschenkt hat. Auf dieses muss ich nun ganz besonders aufpassen. Nicht mehr der PC wird das Wichtigste in meinem Leben sein, nein es ist meine Partnerin, welche ich vorher sträflich vernachlässigt hatte. Das aber ist mir erst durch meine Tat klar geworden.

Jetzt bin ich ca. 10 Tage wieder zu Hause, mein Leben normalisiert sich, ich gehe wieder spazieren mit Frau und Hunden. Auch waren wir gestern alleine unterwegs was auch mal sein muss. Ich kümmere mich wieder um die Dinge, welche wichtig sind. Koche und grille wieder. Spiele mit den Hunden genieße den Garten und die Sonne. Um 22 Uhr ist Schicht im Schacht, da geht es gemeinsam ins Bettchen wo wir dann zusammen gekuschelt Arm in Arm einschlafen, um dann morgens gemeinsam Arm in Arm wieder aufzuwachen.

Somit war so schrecklich diese Tat auch war, sie war hilfreich, sie hat meine Birne wieder klargemacht und mich zu einem Umdenken bewegt.

Ente gut alles gut, so könnte man es beschreiben.

Leute ich sag Euch was. Das Leben ist schön und ich bin so froh dieses so nahezu schadlos überstanden zu haben. Dazu zeigt sich, wer die wahren Freunde sind und auf wen ich in Zukunft sehr gerne verzichten kann und werde.

Übrigens ist dieses Schreiben eine Art Aufarbeitung des Ganzen. Es ist auch eine Möglichkeit danke zu sagen, zu Beispiel an meine innig geliebte Partnerin und alle die zu mir gehalten haben und noch halten.

In diesem Sinn wünsche ich jedem, der es geschafft hat bis hier ans Ende zu lesen, ganz viel

Licht, Liebe und vor allem Frieden aus Uruguay

Peter

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