Wie war der Internationaler Fernverkehr!

Im letzten Jahrhundert?

leben im laster

Leben im Laster

Hallo aus Uruguay,

natürlich hätte ich auch Jahrtausend schreiben können, das wäre aber wohl zu weit gegriffen.

7 Jahre meines Lebens fuhr ich internationalen Fernverkehr in der Zeit von 1983 -1990, davon lebte ich mehr als 2 Jahre nur in meinem LKW und hatte in dieser Zeit keinen gemeldeten Wohnsitz mehr. Ich war also wirklich frei.

Dies war eigentlich wenn ich zurück denke, die schönste Zeit in meinem Leben.

Da ich auf meinem anderen persönlichen Block gerade ein paar Schwanks aus meinem Leben erzähle und es da gerade um den internationalen Fernverkehr geht, möchte ich hier und heute einmal erläutern was es damals eigentlich hieß ein internationaler Fernfahrer zu sein.

Zu allererst sei, denke ich, zu erwähnen, dass man für diesen Beruf eine ganz große Portion Idealismus mitbringen muss. Man benötigt sozusagen Diesel im Blut und eine gewissen Portion Fernweh. Dann muss man natürlich neugierig darauf sein Neues kennen zu lernen und man benötigt die Bereitschaft dafür mit anderen Menschen und Kulturen zurecht zu kommen. Ohne das alles hatte man keine Chance.

Im Gegensatz zu heute, wo jeder LKW mit GPS ausgestattet ist und auch jeder Fahrer telefonisch erreichbar ist, so hatten wir damals keines die “Hilfs” oder Kontrollmittel zur Verfügung. GPS gab es noch nicht und wir mussten uns doch tatsächlich mit gedrucktem Kartenmaterial zurecht finden. Dies sogar während der Fahrt, denn man findet nicht immer gleich einen Standplatz wo man in Ruhe in die Karte schauen konnte. Kontakt hielt man mit der Firman per Telefon oder gar Telex, denn in manchen Ländern (Ostblock) ware das telefonieren in den Westen sehr kompliziert wenn nicht gar unmöglich.

Das Leben in so einem LKW, die Kabine hatte maximal 4 qm, dazu zwei Betten in der sensationellen Breite von 60 cm welche übereinander gelagert sind. Das hat sich bis heute noch nicht geändert. Unsere Kabinen hatten im schlimmsten Falle nicht mal eine Klimaanlage und ein aufrechtes Stehen blieb im Gegensatz zu heute meist ein großer Wunschtraum. Stauflächen für die persönliche Habe waren auch kaum vorhanden, somit diente das 2. obere Bett für die Meisten als Ablage. Es war ja frei, denn der wirkliche Trucker hat keinen Beifahrer, zumindest nicht wenn es international wird. Ok Ausnahmen bestätigen wie immer diese Regel.

Wer regelmäßig so wie ich unterwegs war, der hatte in der Mitte einen Kühlschrank stehen welcher auch wieder einiges an Platz weg nahm. Vor der Windschutzscheibe baute man sich eine Ablage auf der man dann wichtige Dinge wie eine Kaffeemaschine fest installieren konnte. In den von außen zugänglichen Seitenfächern unter dem Bett wurde dann meist ein Gaskocher, Topf und Pfanne sowie nicht gekühlte Lebensmittel aufbewahrt mit denen man sich verköstigen konnte wenn keine Raststätte zur Verfügung stand. Gegen die persönliche Langeweile und auch zur Information verfügten wir privat meist über ein CB-Funk Gerät, sowie Radio und Kassettenspieler.

Thema Raststätte!

In Deutschland sind wir gewohnt, dass ca. alle 50 km eine Raststätte auftaucht an der man essen und trinken kann. Das war auch schon damals so. Leider wurde auf die LKW Fahrer dabei nur an den wenigsten Rücksicht genommen. Aus diesem Problem heraus entwickelten sich auch die Autohöfe welche genau in diese Bresche sprangen und den LKW Fahrer den Komfort bieten, den sie für ein normales Leben eben benötigen. So kann man dort nicht nur anständig duschen, nein man kann auch gleich seine Kleidung waschen und trocknen. Fürs leibliche Wohl wird auch meist bestens gesorgt.

Fernfahrerpause

Oft haben wir so unser Fernfahrerpause gemacht.

Überhaupt will ich besonders Deutschland noch als negatives Beispiel hervorheben.

In Deutschland ist der normale einfache LKW Fahrer ein Nichts und Niemand auf dem fast Alle kräftig herum trampeln. Er ist nichts weiter als ein Hilfsarbeiter mit Führerschein und wird auch dementsprechend behandelt. Er wird als Ladepersonal ausgenutzt, bekommt vom Chef und Kunden Zeitvorgaben welche kaum oder fast gar nicht einzuhalten sind und zur Belohnung dann, wenn er er seine Pflicht erfüllt, noch eines von der Polizei oder den Bundesautobahngestapo, kurz BAG auf den Sack weil er deswegen seine Lenkzeit oder Geschwindigkeit überschritten hat.

Kurz und gut, es war nicht und ist heute wahrscheinlich noch weniger, einfach.

Trotzdem hat es Spaß gemacht denn sonst hätte nicht nicht so lange ausgehalten.

Internationaler Fernverkehr hatte einen Vorteil, wenn man über die deutsche Grenze war und sei es nur nach Holland oder Österreich, man war dann plötzlich ein Mensch und wurde meist auch als solcher behandelt.

Das Leben auf der Autobahn war eigentlich niemals langweilig. Immer gab es etwas zu sehen und wenn es mal nicht besonderes gab, dann fand man schon irgendwas um sich die Zeit zu vertreiben.

Zeit vertreiben?

Nun 900 km französische Autobahn zwischen Deutschland und Spanien können ja, besonders ind er Nacht eintönig sein. Das monotone brummen des Diesels, die gleichmäßige Geschwindigkeit so um die 90 Km/h, sind nicht gerade förderlich um wach zu bleiben. Besonders wenn man die Kilometer sprichwörtlich schruppt oder frisst wie wir das immer nannten. 700 km in einer Schicht von 9 Stunden waren keine Seltenheit.  Dazu kam dann noch das tricksen, welches man so drauf hatte um diese 9 Stunden auch noch zu verlängern.

Ich darf es ja gar nicht sagen, mein persönlicher Rekord lag bei 1714 km in 17 Stunden auf dem Weg von Spanien nach Österreich. Wenn nun jemand rechnet, dem dürfte klar sein, dass ich damals die erlaubte Geschwindigkeit von 80 km/h geringfügig  😀 überschritten habe. Doch diese Geschichte erzähle ich irgendwann mal auf meinem anderen Blog.

spass

Etwas Spaß muss auch sein.

Zurück zum Internationalen Fernverkehr.

Das Geld!

Ein sehr wichtiger Faktor. Ich hatte Tage, da lief ich mit 7 verschiedenen Währungen in meiner Geldbörse herum. Die erste Tätigkeit wenn man über ein Grenze fuhr war erst einmal Geld zu wechseln und das konnte man am besten an den Wechselstuben welche an jeder Grenze standen. Der Kurs war zwar meist etwas schlechter, aber das waren wir schon gewohnt, dass man uns dabei ausnimmt.

Das nächste Problem war die Sprache.

Dass die Franzmänner ein Problem damit haben Deutsch zu sprechen oder zu verstehen ist allgemein bekannt, sie möchten halt das alle Französisch können. Die Spanier sind nicht ganz so schlimm, der Italiener liebt sein italienisch und ist nur widerwillig bereit spanisch zu verstehen geschweige denn Teldesko also Deutsch. Der Grieche und der Ungar freut sich dagegen wenn er mit englisch glänzen kann. In der Türkei spricht man mehr Deutsch als man denkt, wer als Gastarbeiter mal in Deutschland war freut sich förmlich mit seinen Deutschkenntnissen prahlen zu dürfen. Der Pole kann weitgehend Deutsch, er lebt ja meist auf deutschem Gebiet. Die Dänen kann man auch als Deutscher verstehen wobei bei denen meist auch englisch funktioniert, die Finnen mit ihrem Kauderwelsch das ein wenig an das unaussprechliche Ungarisch erinnert, sind auch im Deutschen sehr versiert. Unsere Oranjes aus Holland, na die können Deutsch und Englisch, aber man versteht auch den Zusammenhang in Holländisch und für die Belgier gilt eigentlich das Gleiche, solang sie nicht gerade französisch sprechen. Die Tschechen können auch gutes Deutsch und für das alte Jugoslawien galt meist das Gleiche und auch in Portugal konnte man in einem Gemisch aus englisch und spanisch Alles erreichen.

Kurz und gut, mit etwas guten Willen, Händen und Füssen kam und kommt man überall durch.

Die schönen Seiten vom internationalen Fernverkehr.

Oh da gab es ein ganze Menge.

Erst einmal, die Ruhe die man hatte wenn man erst einmal vom Hof war. das ist heute mit GPS und Handy anders. Damals aber waren wir erst einmal weg und nicht erreichbar. da konnte man auch mal für einen Tag verschollen gehen 🙂

Dann sah man natürlich Dinge die man sonst nicht sieht. Man wurde auch noch dafür bezahlt an Orte zu fahren für die manche Menschen sehr viel Geld ausgaben um dort Urlaub zu machen. So sah ich zu Beispiel die Akropolis in Athen in dem ich dort einfach mal mit meiner Zugmaschine hingefahren bin.

Die Abwechslung war schon gewaltig, in den zwei Jahren in denen ich, wie erwähnt, im LKW lebte, wusste ich Montags nicht wo ich den nächsten Sonntag bin. Das lag in Händen des Disponenten und dem was so unerwartetes unterwegs eintraf. Dies konnte positiv oder auch negativ sein. Aber etwas war immer und irgendwie. Darum wurde es auch niemals langweilig.

Die Freiheit, selbst entscheiden zu dürfen oder müssen was man macht oder wie lange man arbeitet. Immer das Beste aus einer Situation, mit der man nicht gerechnet hat, zu machen. Entweder machte der Zoll irgendwelche Probleme oder es war irgendein Feiertag mit dem man nicht gerechnet hat, Streiks besonders in Italien oder auch Spanien und Frankreich haben so manche Planung durcheinander gebracht. Oder aber ganz banal so hatte man am Abend vorher ein wenig zu tief ins Glas geschaut, Türkischer Raki haut ganz schön rein und wer denkt, dass er sich mit einem Kaffee am nächsten morgen erholt der wird merken, das er damit dann genau des Gegenteil erreicht, denn das ist die Gemeinheit vom Anisschnaps. Oder ganz banal man lag zu lange zwischen den Beinen einer Schönen welche man irgendwo aufgegabelt hatte. Davon gab es in jedem Land mehr als genug. Von einer banalen Reifenpanne oder sonstigem Schaden am LKW ganz zu schweigen oder einfach das Wetter machte einen Strich durch die Rechnung. Schnee und Eis oder auch sintflutartige Regenfälle, ja die gab es damals auch schon, es wurde nur nicht drüber bereichte, taten ihr übriges.

So ich hoffe mit diesem Artikel habe ich Euch den Beruf des internationalen Fernfahrers etwas näher gebracht. Wer es nicht selbst gearbeitet hat, dürfte davon null Vorstellungen haben was sich nach dem lesen dieses Artikels hoffentlich nun etwas geändert hat.

Aktuell möchte ich diesen Beruf natürlich nicht mehr arbeiten. Denn heute steht jeder Fahrer wegen GPS und Handy noch mehr unter Kontrolle. Dazu haben sich die Fahrtenschreiber weiter entwickelt und die Vorschriften EU weit angeglichen, sodass Mogeleien kaum noch möglich sind. Der nun vorgeschriebene Geschwindigkeitsbegrenzer macht den Job nicht sicherer, nur langweiliger in meinen Augen. Als ich 1990 damit aufhörte war das genau der richtige Zeitpunkt.

Es war aber damals mein Beruf und vor allem meine Berufung, was die eigentliche Voraussetzung dazu ist diesen Beruf überhaut lieben zu können. Und ja ich habe ihn geliebt, so wie ich es heute liebe darüber zu schreiben, weil ich damit all das Erlebte gedanklich noch einmal erlebe.

Jetzt fand ich doch noch ein Video welches zwar vor meiner Zeit spielt aber recht gut das wieder gibt was ich hier beschrieben habe.

Danke fürs lesen und liebe Grüße aus Uruguay

Peter

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